i4n 2020 Cohort - Photo by Lea Fabiennei4n 2020 Finalist*innen und Team, © Lea Fabienne

innovate4nature – insects edition

Ziel vom innovate4nature Durchgang 2020 war es, innovative Geschäftsideen als auch nicht-gewinnorientierte Initiativen zu fördern, die einen positiven Beitrag zum Schutz der biologischen Artenvielfalt in Österreich leisten. Wie der Titel bereits verrät, wurde bei der “insects edition” der Fokus speziell auf Insekten und ihre Lebensräume gelegt. Mehr dazu findest du hier.

Von den sechs finalen Projekten konnte Network for Nature die Fach-Jury am meisten überzeugen. Jedoch war es für die Expert*innen, aufgrund der tollen Weiterentwicklung aller Projekte, im Rahmen des mehrmonatigen Gründungsprorgamms, keine leichte Entscheidung.

Folgende sechs Projekte waren die Finalist*innen bzw. Gewinner*innen 2020:

  • Artenhof (OÖ) arbeitet an einem Vorzeigebetrieb für eine krisensichere Bio-Landwirtschaft.

Vorzeigebetrieb krisensichere Bio-Landwirtschaft: Biotop- und Lebensmittelvielfalt, Direktvertrieb, Bewusstseinsbildung, Führungen.

Im ersten Schritt wollen wir Biotope schaffen und Führungen anbieten. Im zweiten Schritt möchten wir in Abstimmung mit InteressentInnen einen Vorzeigebetrieb schaffen, wo umfassende Nachhaltigkeit greifbar wird. Überwiegend pflanzliche Produkte (Dinkelreis, Nüsse, Müsli, Nudeln, Beeren, ev. Speiseinsekten, …) werden via Hofladen und Lebensmittelabos mit Nährstoffkreislauf vermarktet. Es wird gezeigt, dass der Betrieb mehr Menschen ernährt als ein vergleichbarer Durchschnittsbetrieb.

Artenhof, © Lea FabienneArtenhof, © Lea Fabienne

  • Keine Maerchen (OÖ) verwandelt überschüssige Bio-Karotten in eine leckere Alternative zu Räucherlachs.

Überschuss Bio-Karotten als nachhaltige Alternative für Räucherlachs, ganz ohne komplizierte technische Prozesse oder weitgereiste Zutaten.

Bei dem Produkt handelt es sich um geräucherte Bio-Karotten welche in Geschmack und Textur an Räucherlachs erinnern. Dieses Ergebnis wird durch eine spezielle Zubereitungsweise und die Zugabe von ausgewählten Zutaten (Flüssigrauch, Algen, Leinöl) erreicht.

Da für die Zubereitung große Karotten verwendet werden, finden Karotten welche bislang als Tierfutter, zur Saftproduktion oder in Biogasanlagen Anwendung gefunden haben, eine weitere Verwendung, das schützt Ressourcen und unterstützt die Bodengesundheit.

Keine Maerchen, © Lea FabienneKeine Maerchen, © Lea Fabienne

  • Network for Nature (NÖ) arbeitet an einem regionalen Netzwerk von Menschen, die sich gemeinsam in ihrer Umgebung für den Erhalt und Ausbau von Biodiversitätsflächen einsetzen.

Aufbau eines regionalen Netzwerks an Menschen, das ein Netzwerk an konkreten Biodiversitätsflächen erhält und durch neue Flächen erweitert.

In der Region Thermenlinie-Wiener Becken gibt es heute nur mehr Reste einer ehemals großen Offenlandschaft, die bis auf die letzten Eiszeiten zurückgeht. Dazu zählen Trockenrasen – die artenreichsten, insektenreichsten Offenlandlebensräume in Mitteleuropa oder Feuchtwiesen – mit hochrangigen Pflanzen- und Insektenraritäten.

Mit Network for Nature bauen wir ein regionales Netzwerk an Menschen & Organisationen auf, das sich in ihrer Lebensumgebung gemeinsam für den Erhalt dieser letzten Biodiversitäts-Hotspots einsetzt. Die Offenlandflächen bedürfen aktiver Pflegemaßnahmen, um nicht zu verbuschen und mit ihrer herausragenden Vielfalt zu verschwinden. Unter Organisation und fachlicher Anleitung unserer Expert*innen greifen Erwachsene, Familien, Schüler*innen, Politiker*innen & Unternehmer*innen zum Werkzeug. Landwirt*innen beweiden oder mähen die Flächen wieder gezielt. Gemeinsam schaffen wir weitere Trittsteine, um die Vernetzung der Flächen und so den genetischen Austausch der Arten zu sichern. Indem wir den Menschen im Rahmen von Naturführungen die positiven Effekte ihrer Maßnahmen zeigen, wird Network for Nature zunehmend zur Herzensangelegenheit der regionalen Bevölkerung. Gemeinden und Unternehmen sehen den regionalen Mehrwert ihrer Corporate Environmental Responsibility und werden zu finanziellen Ermöglichern. Da Network for Nature von der lokalen Bevölkerung getragen wird und nicht an Einzelpersonen hängt, wirkt es nachhaltig und langfristig.

Network for Nature, © Lea FabienneNetwork for Nature, © Lea Fabienne

Gewinnung von artenreichem, regionalen Wiesensaatgut für die Neuanlage von Blumenwiesen – für Bienen, Schmetterlinge & Co.

Für die Neuanlage von Wiesen im Burgenland gibt es kein regional angepasstes Saatgut, geschweige denn, dass das Saatgut artenreich und für die heimischen Insekten nutzbar wäre. Der Verein Wieseninitiative ist daher dabei, Methoden zu entwickeln, mit denen artenreiche Wiesen (bis zu 90 verschiedene Pflanzenarten pro Aufnahmefläche!) beerntet werden können. Wir haben in den letzten Jahren verschiedene Wiesen-Druschversuche mit herkömmlichen Mähdreschern unternommen und verschiedene Samen-Sammelgeräte getestet.

Aktuell wird im Rahmen eines Leader-Projektes ein “Wiesenbürstgerät” entwickelt und gebaut, mit dem Wiesensaatgut schonend gewonnen werden kann. Parallel dazu gibt es bereits erste Aussaatversuche, die wissenschaftlich begleitet werden. Durch Handsammlung werden jene Arten ergänzt, die bei der maschinellen Ernte “durch den Rost” fallen. Weiters dient der Verkauf von sortenreinen Samenpäckchen von schönblühenden Blumen und Kräutern sowohl der finanziellen Unterstützung des Projektes sowie der Öffentlichkeitsarbeit.

Blumen und Stauden für das “Wilde Garteneck” und insektenfreundliche Blührasenmischungen sollen auch eine Alternative für Privatgärten sein und erfreuen sich steigender Beliebtheit. Das artenreiche Wiesensaatgut soll aber auch für Landwirte eine Alternative zum herkömmlichen Saatgut werden, denn die angepassten Gräser und Kräuter halten den extremer werdenden Klimaverhältnissen besser Stand.

Regionales Wiesensaatgut, © Lea FabienneRegionales Wiesensaatgut, © Lea Fabienne

  • SlowMow (Wien, Tirol) arbeitet am Design einer Sense als „urban gardening tool“ für ein insekten- und bodenschonendes Mähen.

Cooles Design und einfache Usability machen die Sense zum urban gardening tool – bodenschonendes Mähen für größere Insekten-Vielfalt!

Fight Climate Change with tradition & design! Rewilding-Maßnahmen in Siedlungsräumen sind Gegenmaßnahmen zum Verlust der Biodiversität. Im Fokus ist die partielle Ablöse steriler Kurzrasenflächen durch artenreiche + klimaresistente Wildwiesen. Durch Rasenmäher gehen bis zu 70% der Bodeninsekten zu Grunde; der dauernde Kurzschnitt selbstfahrender Mähroboter führt auch zu Austrocknung + erhöhtem Bewässerungsbedarf. Ein geändertes Mähverhalten – seltener und bodenschonend kann durch den Einsatz der Sense erreicht werden. Die Sense ist DAS CO2-freie Mähwerkzeug für Wiesen, weist aber für den Einsatz in Städten erhebliche Barrieren in der Benutzung auf. Ziel ist, ihr durch innovatives Design + Services als “SlowMow” zum Durchbruch zu verhelfen. An der Bauart der Sense, konzipiert für die Landwirtschaft, hat sich über Jahrhunderte nicht grundsätzlich etwas verändert. Damit ergeben sich für den heutigen Einsatz in privaten Gärten hinsichtlich Benutzung, Mäh-Technik, Material, Sicherheit, Wartung und Transport nachteilige Produktmerkmale. Erste Design-Ansätze sollen nun detaillierter ausgearbeitet und auf technische / wirtschaftliche Machbarkeit überprüft werden. Begleitet durch innovatives Service Design sowie experimentelle Digitalisierungs- und Gamification-Ansätze leistet die Stadtsense einen Beitrag zur Steigerung der Ökodiversität und Green-City Strategien.

SlowMow, © Lea FabienneSlowMow, © Lea Fabienne

  • Tagfaltermonitoring Österreich (Wien) will ein standardisiertes und flächendeckendes Monitoring für einen Überblick über den Zustand und die Entwicklung der Tagfalter in Österreich einführen.

Es ist an der Zeit für Österreich (wie bereits 14 EU-Länder) auch ein standardisiertes, flächendeckendes Tagfaltermonitoring zu gründen.

Tagfalter (Papilionoidea) eignen sich sehr gut um Veränderungen von Landschaft, Lebensgemeinschaften und Umweltbedingungen zu erforschen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Insektengruppen können diese Tiere, in den meisten Fällen, bereits im Freiland und lebend auf Artniveau bestimmt werden. In vielen europäischen Ländern gibt es daher schon seit Jahren gut organisierte Erfassungen der Tagfalter mit standardisierten Methoden, die eine Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Landesteilen und aufeinanderfolgenden Jahren erlauben.

Das regelmäßige und wiederholte Zählen der Tagfalter auf vorher festgelegten Wegstrecken ist die standardisierte Methode (entwickelt von E. Pollard in England 1973), welche seither in vielen Ländern durchgeführt und auch im Europäischen Tagfalter-Monitoring Projekt (eBMS) angewandt wird. Die Einfachheit der Datenerfassung und weite Verbreitung dieser Methode in verschiedenen Ländern erlaubt es auch internationale Vergleiche und Schlussfolgerungen über Trends in der Entwicklung von Tagfalter-Populationen in ganz Europa zu ziehen (Van Swaay et al 2008). Das Ziel des Tagfalter-Monitorings ist einen Überblick über den Zustand und die Entwicklung der Tagfalter in Österreich zu erhalten.

Das Team Butterfly Conservation Austria ist eine österreichweit vernetzte Gruppe von Wissenschaftlern, Entomologen und Schmetterlingsliebhabern. In Wien wurde das Monitoring 2020 gestartet. Wir arbeiten noch an der Organisationsstruktur und Finanzierung.

Tagfaltermonitoring Österreich, © Lea FabienneTagfaltermonitoring Österreich, © Lea Fabienne

Finalist*innen innovate4nature 2020, © Lea FabienneFinalist*innen innovate4nature 2020, © Lea Fabienne